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5. Mai 2009 2 05 /05 /Mai /2009 16:09

Gedanken zu den Ausschreitungen am 1. Mai 2009

 

aus Welt Online zum 1. Mai:

 

Angesichts der Brutalität, mit der die Randalierer vorgingen, werden die Forderungen nach einem härteren Durchgreifen des Staates lauter. Polizeigewerkschaft und Politiker sahen am Wochenende die Berliner Deeskalationsstrategie als gescheitert an und forderten, künftig wie in anderen Bundesländern auf „Null-Toleranz“ zu setzen. Zugleich geriet Berlins Innensenator Ehrhart Körting (SPD) wegen seines missglückten Vergleiches von Randalieren und Sexualstraftätern unter Druck.

 

Die Demonstrationen zum 1. Mai zeigen einmal die ansteigende Spannung innerhalb unserer Gesellschaft, was Angesichts der steigenden Anzahl der unzufriedenen Menschen die durch die Finanzkrise in wirtschaftliche Not geraten nicht verwunderlich ist. Es stellt sich aber die Frage, was eine Demonstration bewirkt, vor allem wenn eine geringe Anzahl Teilnehmer dazu in der Lage ist, Eskalationen zu provozieren. Die Reaktion in der Öffentlichkeit ist der Ruf nach mehr staatlicher Gewalt und die Tendenz, alle Unzufriedenen, auch wenn sie friedlich demonstrieren, als potentiell gefährliche Randalierer zu bezeichnen. Der Gewinn liegt auf Seiten derjenigen, die bestehende Strukturen und Ihre Machtposition aufrecht erhalten wollen. Sie bekommen die Legitimation, mit staatlicher Gewalt die bestehenden Verhältnisse noch zu verschärfen. Zu positiven Änderungen an den sozialen Verhältnissen tragen Sie mit Sicherheit nicht bei, sondern versperren die Sicht auf neue Ideen.

 

Schaut man in die Talkshows und Diskussionsrunden der öffentlich rechtlichen Sender, werden die bestehenden und weiter Ansteigenden Sozialen Unruhen entweder bagatellisiert oder dramatisiert um sie als Argument für die eigene Parteipolitik zu nützen. Scheinbar neue Vorschläge speisen sich nach wie vor ausschließlich aus der Maxime: „wie können neue Arbeitsplätze geschaffen werden, oder bestehende erhalten bleiben?“ Es ist wie ein goldenes Kalb und niemand denkt mehr daran, dass das ursprüngliche Ziel aller modernen Erfindungen und Rationalisierungen ja gerade aus dem Wunsch des Menschen entsprang, sich harte Arbeit zur Sicherung des Lebensunterhalts und zur Produktion der zum angemessenen Lebensstandard benötigten Güter zu ersparen. Es war ursprünglich nicht das Ziel mehr Arbeit zu schaffen, sondern Arbeit zu erleichtern und zu verringern. Nun, auf vielen Gebieten der Produktion ist dieses Ziel erreicht, aber anstatt dies zu nutzen, die gewonnene Freizeit tatsächlich zur freien Aktivität zu gebrauchen und neue Ziele und Werte, z:B.: soziale und menschliche Werte zu Entwickeln, stehen wir unter der absurden Situation, dass einige wenige unter krank machender Belastung und ständig wachsendem Stress die verbliebene Arbeit erledigen und andere aus wirtschaftlicher Not oder dem Druck sich minderwertig zu fühlen krank werden. Immer wieder kann im Leben beobachtet werden, wie Menschen krank werden, wenn Sie ein erreichtes Ziel nicht sinnvoll nutzen können und keine neuen Ziele und Werte entwickeln. Die Familie die zerbricht, wenn das Häuschen fertig ist, wenn die Kinder groß geworden sind, das Rentenalter erreicht ist. Genauso wird eine Gesellschaft krank, die den ursprünglichen Sinn ihrer sozialen, technischen und wirtschaftlichen Bemühungen vergisst und keine neuen Werte entwickeln kann. Dann wird durch festhalten an alten Vorstellungen, die für eine vergangene Zeit durchaus sinnvoll waren, aus einer sozialen Marktwirtschaft ein unsoziales, ungerechtes Gebilde, aus einer Demokratie eine Sicherheitsverwahrung mit ständiger Überwachung und Kontrolle.

 

Wenn Opel-Mitarbeiter für Ihre Arbeitsplätze demonstrieren und die Politiker sich bemühen diese Arbeitsplätze mit alten Instrumentarien zu erhalten, setzen beide Ihre Energien für ein nicht mehr reales, nicht mehr Zukunft trächtiges Modell ein.

 

Was würde eigentlich passieren, wenn nicht mehr demonstriert und protestiert würde und die Zeit und Energie genutzt werden würde, neue Werte und Modelle zu kreieren, wie die Lebensgrundlage für alle gesichert werden kann, ohne dass dies unmittelbar davon abhängig ist, einen Arbeitsplatz zu haben? Güter werden heutzutage hauptsächlich von Maschinen und Computern hergestellt, ebenso einige Dienstleistungen (z.B.: Internetbanking). Warum sollen uns diese Techniken nicht die Arbeit abnehmen, damit wir mehr Freiheit für das haben, was uns am Herzen liegt. Dies setzt natürlich voraus, dass jeder auch die Möglichkeit hat ein Einkommen zu haben, dass unabhängig von bezahlter Arbeit ist. Gedanken und Modelle zur Inspiration existieren bereits. (z.B.: Grundeinkommen)

 

Bemerkenswert wäre auch, wie eine neue Art des Friedens kreiert werden könnte, indem Demonstration und Protest, die alleinig die Emotionen stärken, durch Entwicklung neuer Werte und Ihre Umsetzung durch andere legale Aktionen ersetzt werden könnten. So wird der Begriff Arbeit heute meist nur im Zusammenhang mit bezahlter Tätigkeit gedacht und erfüllt fast nur den Zweck der materiellen Absicherung, der Produktion von Gebrauchsgütern, der Gewinnmaximierung und dem Wirtschaftswachstum. Die Folge ist auf vielen Gebieten eine Überproduktion oder Produktion überflüssiger Dinge, die sich nicht wirklich jemand ernsthaft wünscht oder als unverzichtbar einstuft, nur damit die Wirtschaft wächst und Arbeitsplätze erhalten bleiben. Haben Sie sich noch nie über abstruse Verpackungen geärgert, die Mengen an Müll produzieren, wertvolle Energie und Wasserressourcen verschwenden? Welches Ziel und welcher Sinn steht dahinter wenn der Bauer Nahrungsmittel produziert die Vernichtet werden, um den Preis stabil zu halten und gleichzeitig in anderen Gebieten Menschen verhungern?

Andererseits gibt es viele Tätigkeiten, die einen sozialen Sinn erfüllen, aber nicht bezahlt werden, nicht unmittelbar als Wirtschaftswachstum steigern und deshalb auch nicht mit dem Begriff Arbeitsplatz in Verbindung gedacht werden, wie zum Beispiel die Pflege von Familienangehörigen oder ehrenamtliche Tätigkeiten?

Statt Sicherung des Lebensminimums und Förderung des Wirtschaftswachstums kann als Ziel der Arbeit auch gedacht werden, dass Sie zur Förderung des freien Menschen wird, das kulturelle, soziale Miteinander und das eigene seelische Wachstum fördert, sowie die eigenen materiellen Bedürfnisse stillt, die über das natürliche Recht des Menschen auf seine Grundsicherung und Existenz hinausgehen.


Würde die Wirtschaft völlig zusammenbrechen, wenn zum Beispiel jemand eine Firma gründen würde mit dem Ziel Autos zu bauen, die ein schönes, die Sinne erfreuendes Aussehen haben, wenig Treibstoff verbrauchen und dem praktischen Zweck der bequemen Fortbewegung mit angemessener Geschwindigkeit zu dienen. Der darüber hinaus das Ziel verfolgt ein Arbeitsklima zu schaffen, das den Mitarbeitern Raum gibt Freude und Kreativität an der Arbeit zu entwickeln und natürlich auch soviel Geld erwirtschaftet, das er selbst und die Mitarbeiter einen angemessenen finanziellen Gewinn haben? Eine solche Firma wäre durchaus möglich, wenn der Unternehmer nicht auf Teufel komm raus auf Gewinnmaximierung geeicht wäre, sondern auch soziale Werte wertschätzen würde und Arbeiter finden könnte, die nicht aus wirtschaftlicher Not oder Druck durch ein Arbeitsamt, sondern aus freier Entscheidung Autos bauen möchten.

 

Ein Bedingungsloses Grundeinkommen könnte eine Chance sein als praktikables soziales Modell und Boden auf dem sich mehr freie Individualität entwickeln kann.

Es bleiben die Fragen, wie entwickelt man durchsetzungskräftige Ziele, die nicht leere Wertbegriffe und Wünsche bleiben und welche legalen Aktivitäten jenseits von Protest und Demonstration sind zur Verwirklichung geeignet.

Zur gemeinsamen Auseinandersetzung mit diesen Fragen möchte ich alle ernsthaft interessierten für einige Tage zu einem Friedensforum einladen.

Nähere Informationen hier klicken.

© Gerhard Himmel

 

 

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